Leasing · 28.10.2025

Sale-and-Lease-Back
in der Praxis.

Aus dem Maschinenpark wird Liquidität: Wie das Modell funktioniert, wann es sich rechnet – und welche Fallstricke man kennen sollte.

Sale-and-Lease-Back (SLB) ist eines der schnellsten Liquiditätsinstrumente im Mittelstand. Eine im Eigentum stehende Maschine wird an eine Leasinggesellschaft verkauft und sofort zurück geleast. Effekt: Kaufpreis fließt aufs Konto, Maschine bleibt im Einsatz. Das Modell ist mächtig – aber nur, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Wie SLB funktioniert

Im Kern besteht SLB aus zwei zeitgleichen Verträgen: einem Kaufvertrag (Unternehmen verkauft Maschine an Leasinggesellschaft) und einem Leasingvertrag (Unternehmen mietet die gleiche Maschine zurück). Die Maschine verlässt physisch das Werk nicht. Bilanziell wandert sie aus dem Anlagevermögen, der Kaufpreis fließt als Liquidität zu. Die Leasingraten ersetzen über die Laufzeit den Buchwert plus Finanzierungsmarge.

Beispiel: Maschinenbauer mit Park von 1,2 Mio. € Buchwert

Ein Werkzeugbauer hat fünf CNC-Maschinen mit zusammen 1,2 Mio. € Buchwert. Marktwert (durch Gutachter ermittelt): 850.000 €. Die Leasinggesellschaft kauft die Maschinen für 800.000 €. Vertragslaufzeit 60 Monate, monatliche Rate 15.500 €. Effekt für das Unternehmen: 800.000 € Liquidität sofort, künftige Gesamtkosten 930.000 € (15.500 € × 60 Monate). Die rechnerische „Finanzierungsmarge" liegt bei rund 6,5 % p.a. – marktüblich, aber spürbar.

Wichtig

Der bilanzielle Buchverlust (hier 400.000 €) muss in der GuV verarbeitet werden – das kann das Jahresergebnis temporär drücken und sollte beim Steuerberater besprochen werden.

Wann SLB sinnvoll ist

  • Strategische Liquiditätsfreisetzung, z. B. für Wachstum oder Übernahme
  • Hausbank kürzt Linie – SLB ist bankenunabhängig
  • Sondereffekte überbrücken, z. B. Verlustjahr
  • Bilanzstruktur straffen, AfA-Belastung in Cashflow tauschen

Wann SLB nicht passt

  • Sondermaschinen ohne Zweitmarkt – nicht bewertbar, daher keine Bereitschaft der Leasinggesellschaften
  • Maschinen älter als 7–10 Jahre mit hohem Restrisiko
  • Wenn die Maschine in 24 Monaten ohnehin ersetzt wird – SLB-Laufzeit wäre kürzer als nötig
  • Bei akuter Krise ohne Sanierungskonzept (manche Leasinggesellschaften prüfen Bonität wie eine Bank)

Was prüft die Leasinggesellschaft?

  1. Marktwert der Maschine – meist durch externes Gutachten
  2. Wiederverkaufbarkeit – gibt es einen Sekundärmarkt?
  3. Bonität des Unternehmens – auch wenn Sicherheit die Maschine ist, bleibt der Leasingnehmer Vertragspartner
  4. Mobilität und Identifizierbarkeit – Maschinen müssen rechtlich klar zuordenbar sein
  5. Lastenfreiheit – die Maschine darf nicht bereits als Sicherheit dienen

Typische Pitfalls

  • Buchverlust nicht eingerechnet. Wer mit Eigenkapitalspielraum operiert, sollte den Effekt vorher mit dem Berater durchgehen.
  • Kalkulation auf Marktwert, nicht Buchwert. Der Erlös kann deutlich unter dem Buchwert liegen.
  • Restwert übersehen. Bei Teilamortisationsverträgen muss am Ende der Restwert bezahlt oder verhandelt werden.
  • Nutzungseinschränkungen. Manche Verträge schränken den Standort oder die Verwendung ein.
  • Versicherungs- und Wartungspflichten. Vorher detailliert prüfen.

Vergleich SLB vs. Maschinenkredit

Wer noch eine Restbelastung auf den Maschinen hat, kann statt SLB auch eine Umfinanzierung über einen Maschinenkredit prüfen. Vorteil: weniger steuerliche und bilanzielle Komplikation. Nachteil: meist geringerer Auszahlungsbetrag, weil Banken nur auf den Restbuchwert finanzieren. SLB ist hier oft die einzige Möglichkeit, den vollen Marktwert zu heben.

Fazit

Sale-and-Lease-Back ist kein Standard-Werkzeug, sondern ein Sondermodell für strategische Liquiditätssituationen. Wer es richtig einsetzt, kann binnen 6–8 Wochen sechsstellige Beträge ins Unternehmen holen – ohne klassischen Bankweg. Wer die steuerlichen und vertraglichen Details nicht prüft, kauft sich Probleme ein.

KMU Finanzierung begleitet SLB-Transaktionen von der ersten Marktwertindikation bis zur Vertragsunterzeichnung – mit Partner-Leasinggesellschaften, die im Mittelstand Schwerpunkte setzen.

Verfasst von KMU Finanzierung · Stand: 28.10.2025

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